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Der Turm im See

Der Turm im See

Der Turm im See

Der Turm im See

 Warum steht er der Turm im See?

 

Zur Vorgeschichte.
Der obere Vinschgau war schon im vorigen Jahrhundert mit seinen drei Naturseen ein Geheimtip für Urlaubsuchende.
Die Vorgeschichte dieses Turmes aus dem 14. Jahrhundert begann, als der aus Graun stammende Ingenieur Josef Duile Mitte des vorigen Jahrhunderts seinen Plan verwirklichte, durch Absenken des Mittersees (auch Graunersee genannt) den Auslauf des Karlinbaches zu sanieren und gleichzeitig Ackerland zu gewinnen. Dieses Projekt wurde infolge einer Naturkatastrophe unterbrochen, nachdem 1855 durch den Bruch der Schleusen die Dörfer von Burgeis, Schleis, Laatsch und Glurns schwer verwüstet wurden und  konnte daher erst 1858 fertig  gestellt werden. 

 

Zur Geschichte.
Es kam aber ganz anders. 
Ein Stausee zur Erzeugung von Elektroenergie war der nächste Plan noch unter der österreichischen Monarchie. Die italienische Regierung (Tirol wurde nach dem ersten Weltkrieg 1919 mit dem Friedensvertrag von St. Germain geteilt und Südtirol an Italien abgegeben) griff im Jahre 1920 diesen Plan auf und erteilte eine Konzession für die Anhebung des Wasserspiegels um 5 Meter. Das Ausmaß einer solchen Stauung wäre nicht sehr beunruhigend gewesen, da es die Orte Graun und Reschen nicht gefährdet hätte.

Seit 1922 wütete in Italien und somit auch in Südtirol der Faschismus. Im Jahre 1939 reichte der Großkonzern "Montecatini" ein Projekt ein, den Reschen- und Graunersee um 22 Meter zu stauen. Die Bevölkerung von Reschen und Graun wurde dabei völlig übergangen. Der ausgebrochene zweite Weltkrieg verzögerte dann allerdings das bereits angefangene Bauvorhaben. Die Bewohner des Oberen Vinschgaues glaubten damit, dieses Schreckgespenst für immer los zu sein. Doch zur Bestürzung der betroffenen Einwohner wurde 1947, nur zwei Jahre nach Kriegsende, von Seiten der Montecatini bekannt gegeben, daß die Arbeiten am Staupropjekt  unverzüglich wieder aufgenommen werden.

Die Bevölkerung aus Graun und Reschen, allen voran Pfarrer Alfred Rieper, versuchte über eine politische Intervention den Weiterbau zu verhindern. Eine Vorsprache beim Heiligen Vater in Rom, um bei der italienischen Regierung Einhalt zu erreichen, war ebenfalls ergebnislos, wie ein Aufstand vor dem Büro der Firma Montecatini in Reschen. Verzweifelt mußte die Bevölkerung zusehen  wie rücksichtslos sie von Grund, Haus und Hof vertrieben wurde.

1950 im Sommer war es nun soweit.  Die Schleusen wurden geschlossen und der See gestaut. 677 Hektar Grund und Boden wurden überflutet, beinahe 150 Familien wurden ihrer Existenz beraubt, und die Hälfte davon zur Auswanderung gezwungen. Die Entschädigungen waren sehr bescheiden. Die Bewohner von Graun hatte man dann notdürftig in ein Barackenlager am Ausgang des Langtauferertales, das man eiligst aufgestellt hatte, untergebracht. Der dann einbrechende Winter hat zusätzlich Schmerz, Leid und auch Haß gegenüber den Verantwortlichen gebracht, bedenke man nur, daß die Existenzgrundlage genommen wurde. Immerhin waren es in Graun 411 Hektar fruchtbarer Kulturgrund. In Reschen hatte man vor Einbruch des Winters ganz schnell ein paar neue Häuser erbaut, wo die Reschner und eben  einige Grauner Familien einziehen konnten.

Schrecklich war der Anblick, als der Konzern begann Häuser, Kirchen und das gesamte Kulturgut zu vernichten.
Was der Weltkrieg nicht zu zerstören vermochte, erledigte eine Gruppe von gewinnsüchtigen Leuten, die skrupellos die Unterdrückung einer Minderheit für sich zu Nutzen machte.
Hart war der Wiederanfang der leidgeprüften Bevölkerung von Graun und Reschen.

Heute steht er da, der Turm mitten im See, als stummer Ankläger und Mahnmal für zu unrecht angerichtetes Leid. Ihn alleine ließ man stehen, der die Erinnerung an das malerische Dorf Graun wachhält. Heute steht er unter Denkmalschutz und ist Wahrzeichen der Gemeinde Graun.

Eine kleine Wiedergutmachung erfolgte erst 25 Jahre nach der Seestauung, indem man begann einen Teil des Ufers zu sanieren und einige Hektar Grund wieder aufzuschütten.

Heute knapp 50 Jahre danach sind die Wunden noch immer nicht verheilt, obwohl der Obere Vinschgau weiterhin ein Tourismusgebiet geblieben ist. Sobald im Hochsommer die Wassermengen die Wunden des Stausees zudecken, bietet sich für die Urlaubsuchenden eine malerische Landschaft. Die Blumenpracht und das kühle Klima im Sommer ziehen weiterhin Touristen an. Im Winter, durch die schneesichere Lage und die vielen bestens präparierten Pisten, ist der Obere Vinschgau ein gefragtes Urlaubsziel.

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